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Plait Planted Plate

Wie kann Architektur nicht nur begrünt werden, sondern im Rahmen gezielter Gestaltung von selbst bewachsen? Plait Planted Plate untersucht mineralische Baustoffe als potenzielle Lebensräume für Moose und Flechten – nicht durch Umpflanzen, sondern durch gezielte Oberflächengestaltung.

Substrat für Lebensräume

Kontext:

Im Zentrum des Projekts stand für uns – Teresa Hausharter und mich – die Frage, wie Material biologische Prozesse vorbereiten kann. Moose und Flechten zählen zu den Kryptogamen und gehören zu den Pionierpflanzen. Sie wachsen unter extremen Bedingungen, binden Schadstoffe, filtern Feinstaub und beeinflussen das Mikroklima positiv – werden im urbanen Raum jedoch meist als Verschmutzung entfernt.
Vor diesem Hintergrund entstand die Überlegung, mineralische Baustoffe nicht als sterile, zu reinigende Flächen zu denken, sondern als potenzielle Lebensräume. Anders als bei bestehenden Begrünungssystemen sollte kein aktives Bepflanzen stattfinden, sondern sich ein kontrollierter Bewuchs auf vorbereiteten Platten von selbst einstellen. Eine gezielte Beimpfung für beschleunigtes Wachstum blieb als Option mitgedacht.
Ein wesentlicher Teil des Projekts war Grundlagenforschung. Aus Eigeninitiative wurden fachliche Kontakte geknüpft, u. a. zu Désirée Heusel und Harald Zechmeister (Universität Wien), um biologische und ökologische Parameter fachlich abzusichern.
Angesichts von rund 25.000 Moosarten und 16.000 Flechtenarten konnte keine konkrete Spezies definiert werden, jedoch entstand ein belastbarer Leitfaden für eine Weiterentwicklung.

Hypothese:

Wenn eine mineralische Oberfläche in Mikrostruktur, Porosität, Wasserhaltekapazität und chemischer Beschaffenheit natürlichen Standortbedingungen ähnelt, kann sie die spontane Etablierung von Moosen und Flechten begünstigen – ohne aktive Ansiedlung.
Daraus ergaben sich drei Leitfragen:
• Wie muss eine Beton- oder Eternitoberfläche beschaffen sein, um Substrat zu bieten?
• Welche ästhetische Qualität besitzt sie im unbewachsenen Zustand?
• Kann sie auch im teilbewachsenen Zustand gestalterisch überzeugen?

Designansatz & Prozess:

Ein erster Versuch mit internetbasierten „Moos-Graffiti“-Rezepturen blieb ohne nachhaltigen Erfolg. Zudem erlaubte der zeitliche Rahmen keine belastbaren Aussagen zur Beimpfung.
Der Fokus verlagerte sich daher auf die Materialoberfläche selbst.
Die Prototypen wurden aus Weißzement entwickelt, mit Pigmenten und variierenden Schichtstärken versehen und so konzipiert, dass eine Integration in bestehende Produktionslinien grundsätzlich möglich gewesen wäre. Meine technische Vorerfahrung ermöglichte eine realistische Einschätzung der industriellen Umsetzbarkeit.
Besonders erfolgreich war das Aufrollen einer schlammigen Zementmasse mit Walzen unterschiedlicher Florhöhe. Durch Layering, Variation der Viskosität und Nass-in-Nass-Verarbeitung entstanden offenporige, reliefartige Strukturen, die in Haptik und Anmutung natürlichem Bewuchs ähneln und potenziell

geeignete Mikrostrukturen für Anhaftung und Wachstum bieten.

Synthese:

Plait Planted Plate versteht sich als gestalterische Grundlagenforschung zwischen Architektur, Materialästhetik und Ökologie. Der Kern liegt nicht im biologischen Experiment, sondern in der Frage, wie Gestaltung Wachstumsprozesse vorbereiten kann.
Anstatt Natur auf Architektur zu applizieren, wird Architektur als Ausgangspunkt für Natur gedacht.
Das Projekt markierte einen möglichen Übergang von der gereinigten Fassade zur lebenden Oberfläche – als materialbasierte Haltung und ästhetische Strategie.

Innovation & Umsetzung – ein Rückblick:

Plait Planted Plate entstand 2017 im Rahmen einer Kooperation mit Eternit. Ziel war es, mit überschaubarem Investitionsaufwand ein neues Marktsegment zu erschließen. Der Prozess wurde bewusst so entwickelt, dass er in bestehende Produktionslinien integrierbar gewesen wäre.
Als Semesterprojekt ( ≈ 200 Arbeitsstunden) konnte naturgemäß nur Grundlagenarbeit geleistet werden. Dennoch entstand eine belastbare Basis für weiterführende Forschung und marktorientierte Entwicklung. Eine strategische Weiterverfolgung blieb jedoch aus.
Rückblickend zeigt sich ein typisches Muster etablierter Industriebetriebe: Externe Innovationsimpulse werden angeregt, jedoch selten konsequent in langfristige Entwicklungsstrukturen überführt. Wenige Jahre später entstand im Umfeld der TU Delft mit Respyre ein Start-up im Bereich biorezeptiver Baustoffe, das genau diesen Ansatz erfolgreich weiterentwickelte.
Für mich wurde das Projekt damit zu einer praktischen Fallstudie im Design- und Innovationsmanagement: Gute Ideen allein reichen nicht. Sie benötigen strukturelle Verankerung, klare Verantwortlichkeiten und unternehmerischen Willen zur Umsetzung – sowie eine tatsächlich gelebte Innovationskultur. Eine solche Kultur muss in stabilen Zeiten aufgebaut werden, damit sie in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit tragfähig bleibt. Wer Innovationsstrukturen erst im Krisenmodus etablieren will, steht häufig ohne Ressourcen und organisatorische Routine da.

Freies Projekt

Fokus: Fotografie · Experimental Design

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